Wie in einem rauchigen Jazz-Keller

 
19.12.2013, Memminger Zeitung
über das Konzert im PiK Memmingen:

 

 

PiK: Zwei junge Duos zaubern Club-Atmosphäre ins Parterretheater

Memmingen

Es herrscht eine wundervolle Clubatmosphäre an diesem Abend im PiK, als käme man in einen urigen Jazzkeller - mitten in Memmingen. Ausgewähltes Premium-Equipment lacht dem Kenner schon beim Betreten des Parterretheaters von der Bühne entgegen und verheißt ein interessantes Musikerlebnis. Zwei junge Jazz-Ensembles stellen damit ihren musikalischen Genius unter Beweis: das Gitarrenduo Johannes Emminger und Paul Brändle sowie die "Vibraxophonie" - eine Wortneuschöpfung, die Vibraphon und Saxophon kombiniert - mit Felix Prihoda und Julian Schunter. Alle sind Gewinner des "Jugend jazzt"-Wettbewerbs Marktoberdorf.

Der erste Blues zeigt es schon: ein absolut professionelles gut abgestimmtes Frage- und Antwortspiel dieser Klangartisten. Jeder Ton ist bewusst und exakt gesetzt, die Dynamik und Präsenz der Läufe und Bögen perfekt angelegt und ausgeführt. Es ist eine wahre Freude, diesen gefühlvollen Technikern zuzuhören. Niemand hat es nötig sich in den Vordergrund zu spielen, jeder für sich macht das Duo komplett, nimmt und gibt aber auch Raum füreinander.

Das atmet und lebt - und nur das Rauchverbot in Europa und der kalte Winter draußen verhindern die perfekte Illusion, irgendwo am Mississippi in einer stickigen Spelunke zu sitzen. So machen Jazz und Blues Spaß, man erwartet ungeduldig die nächsten Töne und wird von den Musikern immer wieder aufs Neue überrascht.

Dramatik bis zum letzten Ton

Auch das Duo aus Saxophon und Vibraphon bleibt aufregend. Mit dem rauchigen, schnaufenden, wundervoll überblasenen Ton des sichtlich altehrwürdigen Saxophons, der so warm, aber auch ganz hart und fest klingen kann; gepaart mit dem Vibraphon, das vor allem die exakte Technik des Musikers fordert. Da macht der Musiker den Ton, Percussion und Rhythmus. Und wie rasend schnell und kein einziger Fehlschlag, vier Schlägel aber nur zwei Hände. Dramatik und Temperament, von Anfang bis zum letzten Ton. Dynamik und Transparenz bis in die letzte Faser aller Materialien, nur live kann man so ein Klangerlebnis teilen.

Eine schöne Verbindung dabei: die Vibraxophonie spielt gleich zweimal Gitarrenstücke an diesem Abend, eines davon gewidmet dem Großmeister aller Gitarristen Django Reinhardt. Dabei vergisst man alles, Advent, Weihnachten und Silvester, Kälte und Dunkelheit. Schön, was gute Livemusik vermag.

Text: Daniel Theuring

zurück zur Übersicht oder weiter zum älteren Pressetext vom 8.2.2012